CoFam – Wenn Eule und Lerche unter einem Dach leben
Was passiert, wenn eine Eule und eine Lerche unter einem Dach leben? Richtig … sie können sich entweder die Klinke in die Hand geben, oder einer (in der Regel der Spättyp) leidet unter Schlafentzug. Sieht das im Lichte der ersten Verliebtheit bei Paaren noch als „lösbar“ aus, entwickelt sich nicht selten später daraus ein massives Beziehungsproblem, vor allem, wenn das erste Kind dazu kommt.

Aber auch beim Zusammenwürfeln von Patchwork-Familien, müssen zwei eingefahrene Strukturen zusammengeführt werden. Spannungen sind dann nicht selten vorprogrammiert und sogar Gewalt können die Folge sein. Exakt diese „Eule-Lerche“-Diskrepanz wird dabei jedoch selten als Ursache wahrgenommen.
Eule und Lerche sind die zwei Extremausprägungen der Chronotypen um den „Normaltyp herum“, und in meinen wissenschaftlich begleiteten Projekten lag die Spanne zwischen der extremsten Lerche und der extremsten Eule bei 13,5h. Partner könnten also sich quasi ein 90 cm Bett teilen … nacheinander, und Nachtschichten könnten komplett abgedeckt werden. Diese Spanne zeigt die Dramatik des Problems, aber auch die Einfachheit der Lösung im Sinne einer Optimierung eindrucksvoll.
Künstlicher Takt vs. Biologischer Rhythmus
Unsere Gesellschaft ist überwiegend um den Frühtyp getaktet, der die Chronotyp-Situation in Familien, aber auch auf der Arbeit ignoriert. Menschen mit unterschiedlichen Chronotypen, müssen sich an starre Arbeits-, Schul- oder Familienzeiten anpassen, was zu „biologischem Jetlag“, chronischer Müdigkeit oder Burn-out führen kann. Normal- und vor allem Spättypen leiden am meisten darunter, meist still und sich der Situation ergebend. Wenn das dann noch auf Unverständnis der anderen, egal ob Partner, Lehrer oder Arbeitskollegen trifft, wirkt das wie ein Brandbeschleuniger für Süchte, Burn-out, Depressionen und alles, was Stress noch hervorrufen kann.
Gleichzeitig fehlt genau dieses Bewusstsein in der Betreuung von Familien, Kindern sowie bei Unternehmen, und ein wachsender Bedarf trifft auf einen Mangel an gezielten, fundierten Angeboten, die sowohl wissenschaftlich valide sind, als auch praktisch umsetzbar. Coaches, Hebammen, Berater:innen und Experten aus BGM und HR fehlt schlicht die chronobiologische Wissensbasis, wenn nicht sogar die Fähigkeit, die Thematik überhaupt zu erkennen. Nur zu wissen, was Eulen und Lerchen sind, ist gut, aber kein Nachweis von fachlicher Kompetenz, schon gar nicht, wenn es um die Umsetzung in der Praxis geht.
Aus diesem Grund mangelt es oft an ganzheitlichen Ansätzen: Manche Programme fokussieren nur auf Kinder- oder Babyschlaf, andere nur auf Erwachsenen-Schlaf oder reine Schlafhygiene, die nächsten nur Ernährung, Sport etc. Chronobiologie ist jedoch die Schnittstelle von all diesen Disziplinen.
Holistisches Wissen ist Mangelware, und das ist bei Coaches nicht anders, als bei Wissenschaftlern oder Experten in Unternehmen. Das führt dazu, dass viele Interventionen unzureichend wirken oder nur teilweise Verbesserungen bringen. Ein Auto lebt auch nur länger, wenn alle Bereiche gepflegt werden.
Quick fixes – Problembringer statt Problemlöser
Die Headlines klingen vielversprechend, und suggerieren schnelle Hilfe. Aber oft sind Angebote unzureichend, nicht zertifiziert, bleiben oberflächlich, und die Anbieter selbst haben nur Halbwissen, teilweise ohne Praxiserfahrung. Schnelle Tipps, pauschale Ratschläge ohne Rücksicht auf individuelle Unterschiede und ohne Nachhaltigkeit, können am Ende sogar zu einer Verschlechterung der Situation der Klient:innen führen.
Immer mehr Eltern gehen daher inzwischen dazu über, sich schlicht selbst auszubilden. Nicht um Coach zu werden, sondern um von nicht von ihnen abhängig zu sein. Am Ende ist das nicht selten sogar billiger, als eine Ansammlung an „Quick-Fixes“, denn im Gegensatz zu Medikamenten, gibt es hier keinen Beipackzettel über deren Nebenwirkungen.
Hier zeigt sich das Paradoxon, das die Spezialisierungswelle der letzten Jahrzehnte hervorgerufen hat. Der ganzheitliche Blick auf Problemstellungen, wurde durch Fokussetzung auf Einzelfaktoren ersetzt, weil die Spezialisierung das Gesamtbild nicht mehr ermöglicht. Genau da liegt nun die Chance für Coaches gerade in KI-Zeiten, Familien auch in Sachen Schlaf als System zu betrachten, und nicht nur die eine Person, die ein Schlafproblem hat. Dazu ist Wissen, über unterschiedliche Rhythmen fundamental.
CoFam – Ein neuer Ansatz für Familien-„Selfmanager:innen“
Chronotypoptimiertes Familienmanagement (CoFam) haben wir tatsächlich aus unseren Erfahrungen in Zusammenarbeit mit Unternehmen (COPEP – Chronotypoptimierte Personaleinsatz- und Schichtplanung) entwickelt. Denn in Mitarbeiter-Coachings kristallisierte sich immer das gleiche Problem heraus.
„Wie soll ich meine Schlafbedürfnisse unterbringen, wenn ich den Erwartungshaltungen von Arbeit, Schule, Kinder und Partner:in entsprechen muss? Alle ziehen, und man selbst muss sehen, dass man noch in ganzen Stücken bleibt.“
Was für die Zusammenarbeit in Unternehmen gilt. Gilt exakt auch für das Miteinander in Familien. Der Begriff „Familien-Performance“ klingt überzogen, beschreibt aber am Ende das gleiche, wie „Team-Performance“ in Unternehmen. Und Chronotypen spielen dabei eine maßgebliche Rolle.
Hier setzt CoFam an, mit der Absicht Entlastung zu schaffen, die bisherige Angebote nicht berücksichtigen. CoFam verbindet Wissen aus chronobiologischer Forschung, individueller Chronotyp-Analyse, praktischer Erfahrung im Familienalltag, mit Erkenntnissen aus unseren Pilotprojekten, um Schlaf und Lebensrhythmus von Familien ganzheitlich und nachhaltig zu optimieren. Genaugenommen ist CoFam schlicht ein Konzept, dass erreicht, dass keiner zurückbleibt. Dabei geht es nicht darum, dass einer gewinnt, sondern dass keiner verliert. Es geht also um optimieren, nicht perfektionieren, also zunächst herauszufinden, wie alle ticken, und, was, wie bestmöglich machbar ist, und vor allem darum, nicht in den Vordergrund zu stellen, warum etwas nicht geht.
Wissen um Chronotypen erlaubt es, Tagesabläufe, Schlafzeiten, Aktivitäten, Arbeit, Lernen und Familienrhythmus so zu planen, dass sie biologisch sinnvoll sind. Damit können Schlafprobleme, Müdigkeit, Überforderung oder Konflikte im Alltag reduziert werden. CoFam bezieht alle Mitglieder der Familie mit ein, und schafft vor allem als erstes Bewusstsein und Teamgeist. CoFam braucht sogar nicht zwangsläufig tiefes Wissen um die Chronobiologie, aber es hilft enorm bei der zielgerichteten Umsetzung.
Fokus auf Nachhaltigkeit und Lebensrealität
Statt kurzlebiger Tipps oder oberflächlicher Coaching-Schnelllösungen zielt CoFam auf in der Familie gemeinsam initiierte nachhaltige Veränderung: Tages- und Schlafrhythmen werden langfristig an biologische und familiäre Bedingungen angepasst. Das bedeutet: nicht nur für eine kurze Phase, sondern als dauerhafte Struktur — mit Blick auf Alltag, Schule, Arbeit, Schlaf und Familie. So kann Stress reduziert, Erholung verbessert und das Miteinander im Alltag harmonischer gestaltet werden. CoFam weder eine simple Checkliste, noch ein hochkomplexes, aufwändig zu steuerndes Projekt, sondern es liefert die Struktur für ein Familienprojekt „Schlaf“, das intrinsische Motivation schafft, und Erfolge gemeinsam erleben lässt. Ganz nebenbei schafft es ein Bewusstsein für „Familie“ als gemeinsamer Verbund, wie es früher gang und gäbe war.
Wissen zu CoFam
CoFam ist elementarer Bestandteil unserer staatlich zertifizierten Chronobiologie-Ausbildung zum ChronoCoach®. Aber niemand muss die Ausbildung absolvieren, um sich Wissen über CoFam anzueignen. Wir bieten deswegen ein Kompaktseminar an, welches 1:1 aus der Ausbildung entnommen ist. Sie bekommen also im Seminar exakt die geprüften Inhalte zur Verfügung gestellt, inklusive umfangreicher Handouts.
Wer das gesamte Potenzial von CoFam voll ausnutzen möchte, kann über die Seminare „Chronobiologie“ und „Chronotyp 1“ die perfekte Grundlage legen. Natürlich auch hier die geprüfte Qualität aus unserer Ausbildung zum ChronoCoach®.



